POLENMUSEUM RAPPERSWIL
SEIT 1868 BIS HEUTE
 
 


Polnisches Nationalmuseum (1870-1927)

Das von Graf Wladyslaw Plater 1870 im Rapperswiler Schloss eingerichtete kleine Museum entsprach genau den Bedürfnissen und dem Geist seiner Zeit. Schon bald füllten sich die Burgmauern mit Gaben von Polen und Polenfreunden aus aller Welt. Rapperswil wurde bis zur Wiedergeburt Polens (1918) zum Hort polnischer Hoffnungen, Begegnungen und Ideen.

Als nach der Wiedergeburt Polens die Sammlungen des Polenmuseums 1927 Rapperswil in Richtung Warschau verliessen, füllten 3000 Kunstwerke, 2000 historische Andenken und Militaria, 20 000 Stiche, 9000 Medaillen und Münzen, rund 92 000 Bücher und 27 000 Archivalien hunderte von Kisten. Während der Zerstörung Warschaus im 2. Weltkrieg wurden die Bibliothek, das Archiv und viele andere Rappersviliana durch Feuer zerstört.

Museum des zeitgenössischen Polen (1936-1951)

Im leerstehenden Schloss Rapperswil wurde 1936 ein Museum des zeitgenössischen Polen eröffnet. Man zeigte die künstlerischen und wirtschaftlichen Errungenschaften des neu erstandenen Polen.

Im Juni 1940 wurden nach Kämpfen gegen die Wehrmacht in Frankreich 13 000 polnische Soldaten der 2. Schützendivision in der Schweiz interniert. Das Polenmuseum mit seiner Bibliothek übernahm sofort die kulturelle Betreuung der Internierten.

1945 anerkannte die Eidgenossenschaft die kommunistische Regierung in Warschau an. Sehr bald erschienen deren Vertreter im Rapperswiler Schloss . Die weiteren Ereignisse führten schliesslich zur Kündigung des Mietvertrages durch die Ortsgemeinde Rapperswil. Die Sammlungen wurden 1952 nach Polen transportiert.  

Das gegenwärtige Museum

ist nach Themen gegliedert; einige von ihnen nehmen die Tradition des ersten Polenmuseums von 1830-1927 auf. In der Besichtigungsfolge werden dargestellt: Die Schweizer in Polen (Studenten -15. Jh.; Baumeister - 16. Jh.; Lehrer und Diplomaten -18. Jh.; Zuckerbäcker, Schreiner, Käser und Gärtner - 19. Jh.); die grossen Emigrationswellen der Polen in den Westen (nach Aufständen, Kriegsereignissen und Verfolgungen); die Polen in der Schweiz (Ingenieure, Wissenschaftler, Künstler und Soldaten); bekannte Polen (z.B.: Copernicus, Chopin, Mickiewicz, Madame Curie, Nobelpreisträger); im Kampf um Freiheit und Glauben (Entsatz von Wien 1683; Nationalaufstände 1830 und 1863; 2. Weltkrieg und Internierung der 2. Poln. Schützendivision in der Schweiz; Johannes Paul II 1978 und SOLIDARNOSC-Bewegung 1980).

Weitere Themen des Polenmuseums sind: poln. Kunsthandwerk und Uhrmacherkunst (Patek in Genf), poln. Miniaturgemälde um 1800, poln. Malerei des 19. und 20. Jh. und Zeugnisse jüdischer Kultur in Polen. Gezeigt werden ausserdem alte Buchdruckerkunst, Chroniken und Landkarten von Polen, Sarmatenkunst des poln. Adels im 18. Jh. und religiöse Kunst seit 1600. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die Folklorestube mit Volkstrachten, Hinterglasbildern und Schnitzereien von Volkskünstlern. Den Abschluss der Ausstellung bildet der Wehrgang und der fünfgeschossige Wehrturm mit häufigen Wechselausstellungen. Im Pulverturm erinnert eine Gedächtniskapelle der unzähligen Opfer in Polen in den Jahren 1939-1989. Ergänzt werden die Aktivitäten des Polenmuseums durch Konzerte mit polnischer Musik und durch Vortragsveranstaltungen, die mit schweizerisch-polnischen Themen in Verbindung stehen.

 

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