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Die polnischen Militärinternierten in der Schweiz 1940 - 1945
Zweite polnische Schützendivision (2. DSP = Druga Dywizja Strzelców Pieszych) |
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Deutliche Spuren bis heute
Rund 13'000 polnische Soldaten fanden 1940 Zuflucht in der Schweiz. Interniert bis Kriegsende hinterliessen die Polen nicht zuletzt auch dank ihres Arbeitseinsatzes bis heute deutliche Spuren.
Nach der Niederlage der polnischen Armee 1939 flohen tausende polnische Militärangehörige ins Ausland. Zielpunkt war insbesondere auch Frankreich, wo sie sich einer neugebildeten Exilarmee unter französischer Führung anschlossen. Nach dem Angriff Deutschlands auf Frankreich blieb den Soldaten am Schluss nur der Rückzug. Und so überquerten in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 1940 rund 50'000 Soldaten im Neuenburger Jura die Schweizer Grenze. Unter den Soldaten befanden sich rund 13'000 Polen, darunter insbesondere auch die zweite polnische Schützendivision unter dem Oberbefehl von General Bronislaw Prugar-Ketling.
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Gen. B. Prugar-Ketling |
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Nachdem die Soldaten ihre Waffen und Munition abgegeben hatten, fanden sie vorerst in den Internierungsregionen Napf sowie Berner Oberland und Seeland Unterkunft. Der Versuch, die Internierten auf wenige Lager zusammenzuziehen, erwies sich als psychologisch schlecht. Der gescheiterte Versuch der konzentrierten Internierung führte 1941 zu einer Dezentralisierung in mehrere Internierungsabschnitte. Diese bestanden aus diversen Stammlagern und diese wiederum aus diversen Arbeitslagern. Die Hauptinternierungsabschnitte hiessen: - Baselland / Aarau mit Sitz in Baden - Graubünden mit Sitz in Chur - Reuss mit Sitz in Küsnacht a/Rigi bei Luzern - Rhone mit Sitz in Aigle, später in Vevey (Kanton Vaud) - Seeland mit Sitz in St. Blaise (Kanton Neuchatel) - Tessin mit Sitz in Lugano - Thurgau mit Sitz in Wil (Kanton St. Gallen)
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Auch bezüglich des Arbeitseinsatzes der polnischen Soldaten gab es einschneidende Änderungen. Bislang waren den Polen – nach einem gänzlichen Arbeitsverbot zu Beginn der Internierung – lediglich kurze Arbeitseinsätze auf freiwilliger Basis zugestanden worden. Neu wurden die Internierten im Rahmen des Plans Wahlen dazu verpflichtet, obligatorische Einsätze zu leisten. Mit diesen Einsätzen, welche sich bis Kriegsende auf rund sieben Millionen Arbeitstage beliefen, leisteten die Soldaten einen bedeutenden Beitrag zur Aufrechterhaltung der Schweizer Wirtschaft und Infrastruktur. Dank ihrer Hilfe konnten zahlreiche Projekte verwirklicht werden, die andernfalls nie in Angriff genommen worden wären. Rund 63 Brücken wurden erbaut oder repariert, rund 450 Kilometer Strassen neu- oder umgebaut (unter anderem die Sustenpassstrasse), über 1'300 ha Wald gerodet sowie 1'000 ha Brachland urbar gemacht und im Bergbau wurden rund 90'000 Tonnen Material abgebaut. Ganz zu schweigen von diversen Arbeiten für die Schweizer Landesverteidigung.
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Die polnischen Soldaten wurden von der Schweizer Bevölkerung sehr herzlich begrüsst, was der Schweizer Armeeleitung nicht behagte. Es wurde denn auch von Beginn weg versucht, die Kontakte zwischen den Internierten und der Bevölkerung soweit wie möglich zu unterbinden. Die diesbezüglichen Versuche scheiterten jedoch zumeist. Insbesondere der aufgrund der Farbe des Papiers so genannte Orange-Befehl vom 1. November 1941 erwies sich als ebenso psychologisch kontraproduktiv wie realitätsfremd, vor allem auch was das darin statuierte Eheverbot anbelangte.
Vielen polnischen Soldaten war die Rolle des ohnmächtigen Zuschauers alles andere als zuträglich, wollten sie doch primär ihren Beitrag zur Befreiung Polens leisten. Es erstaunt daher nicht, dass bis 1945 tausende Polen aus der Schweiz flohen, um sich den polnischen Exilarmeen wieder anzuschliessen. Um das Leben der Internierten in der Schweiz zu verbessern entstanden im Laufe der Zeit diverse Freizeitangebote. Eine wichtige Stellung nahm in dieser Zeit auch das Polenmuseum in Rapperswil ein, welches sich ebenfalls intensiv der kulturellen Betreuung der Internierten annahm. Die Internierten haben auch eine eigene Zeitschrift rausgegeben Goniec obozowy (Lagerbote).
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Dem Soldaten wurde erlaubt die Ausbildung fortzuführen – auch auf dem Niveau der Hochschule. In Fribourg und Herisau wurden die Universitätslager geschaffen. Bis Ende des Krieges konnten die Internierten auf den Universitäten in Fribourg und Zürich, sowie auf der Handelshochschule in St. Gallen 445 Lizentiat-Diplome erwerben. Zudem gab es in Wetzikon ein eigenes polnisches Gymnasium. Mit der Abreise von General Prugar-Ketling und eines Teils seines Stabes in Richtung Polen am 15. Dezember 1945 endete formell die Internierung der zweiten polnischen Schützendivision. Ein Teil der Soldaten ist zusammen mit dem Oberbefehlshaber zurück nach Polen gekehrt. Ein grosses Teil hat jedoch das Leben im Exil gewählt: in Grossbritannien, Frankreich, Australien oder in den USA. Rund 1'000 Soldaten sollten jedoch auch nach Kriegsende in der Schweiz bleiben. Bis Ende ihres Lebens sind sie der Idee des unabhängiges Polen treu geblieben. Viele von ihnen haben bei der Reaktivierung des (geschlossenen nach der kommunistischer Übernahme) Polenmuseums in Rapperswil mitgeholfen. Die polnischen Internierten haben in der Schweiz nicht nur gute Erinnerungen, aber auch feste, bis heute sichtbare Spuren hinterlassen.
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